Pösie
Ei der Daus, wohlgestalt macht auf Poetin.
Herz
Wie unverschämt, Herz,
dein ganzes Sehnen auf einen Menschen zu werfen,
von dem du dir ein ideales Bild zurecht gemeißelt hast.
Da steht er also, der Mensch deiner Sehnsucht,
ganz und gar gefangen in einer Rolle,
der er nicht gerecht werden will und kann, Herz.
Lass' ihn frei und kümmer' dich gefälligst um dich selbst.
Liebespoem in Zeiten zart wachsenden Energiebewusstseins
Es ist kalt, ich friere und du bist nicht da.
Das ist nicht schön.
Ich friere nicht gerne.
Die Heizung will ich nicht an machen.
Sie kostet Strom.
Stromgewinnung kostet Ressourcen.
Das ist nicht gut.
Ich sollte den Energieanbieter wechseln.
Dann ist mein Umweltgewissen rein
und auf dich brauche ich nicht mehr zu warten.
Nur mit Strom lässt sich schlecht kuscheln.
Und du kostest nichts, ausser Nerven.
Manchmal viele Nerven.
Es klingelt.
Du!
Ich freue mich.
Das ist gut.
Du bist mehr als Wärmeenergie.
Du bist Lebensenergie.
Dafür mache ich sogar den Herd an
und koche dir mal was Hübsches.
Muss ja nicht jeden Tag sein.
Den Energieanbieter werde ich trotzdem wechseln.
Lebende Energiespender sind manchmal so unzuverlässig.
Die Seekuh
Ich bin eine zu dünn geratene Seekuh,
bäuchlings gestrandet
auf meinem ungemachten Bett namens Alltag.
Mein Gemüt, mal schwer wie zehn Bierfässer,
mal leicht wie Kolibrifedern,
hat heute das Denken geknebelt
und das Kommando übernommen.
Dieser Tag hat Ausgangsverbot –
und ich, die Seekuh, liege da:
stumm und schwer und sehnsüchtig.
Das Meer wird nicht vor morgen wieder rufen.
Was bleibt mir also
als liegend auf die nächste Flut zu warten.
Das Leben, ein täglicher Kampf gegen den Staub (in unseren Köpfen)
Staub, überall Staub!
Äußerst lästig, das flusige Zeug.
Macht so auf leicht und locker,
aber in Wahrheit will es uns auf die ganz softe Art
langsam unter sich begraben.
Darum aufgemerkt:
Kampf dem Staube (in unseren Köpfen)!
Was gestern noch ein Staubflüschen war,
kann morgen schon ein ausgewachsenes Hirngespinst sein!
Die Frau im Spiegel zeigt mir die Zähne.
Ich empfinde nur Befremden.
Wer bist Du überhaupt, mich so dreist anzugrinsen?
Dein Gesicht vergrämt mir den Tag.
Aus dem Tagebuch einer Alleskönnerin
Gestern war ein wunderbarer Tag.
Ich hatte das leise Gefühl, ein Depp zu sein.
Das kommt nicht oft vor. Meistens halte ich mich für genial.
Aber dann plötzlich dieser unerwartete Anflug von Selbstzweifeln!
Dieses Gefühl der Hilflosigkeit gepaart mit dem Wunsch,
alles rückgängig machen zu können: ein ganz neues Erlebnis!
Ich hätte nie für möglich gehalten, dass es mir auf meiner Wolke
der Unfehlbarkeit mal an Abwechslung mangeln würde.
Aber immer alles richtig zu machen ist auf Dauer auch nicht lustig.
Man hat ja so wenig Gemeinsamkeiten mit seinen Mitmenschen.
Und in den Runden, in denen man sich gegenseitig von seinen
Mißgeschicken erzählt hat, war ich bisher immer außen vor.
Da konnte ich noch so tolle Beispiele meiner neuesten Glanz-
leistungen bringen: keiner wollte sie hören.
Aber das ist jetzt anders.
Heute Abend werde ich im Mittelpunkt stehen und das
mit einem für mich bis dato gänzlich unbekannten Thema:
der Unzulänglichkeit.
In naher Fern der kranke Hund den Tod anbellt.
Ein letztes Mal das totgeweihte Schwein um Gnade gellt.
Die Sonne nur noch heut' ein Stück des Land's erhellt.
Zu guter Letzt der Bauer die Entscheidung fällt.
Entzündete Gefühle
wollen nicht im Rhythmus schlagen.
Das Tick-Tack der genormten Umwelt
versetzt die Gedanken in Alarmbereitschaft.
Entblößte Panik beginnt sich einzunisten
und die Ideen gehen fremd.
Miau grunzt die Kuh im Hundestall
und läßt den Bauern alt aussehen.
So lasset uns nun schwenken unseren Becher
zur Tilgung unserer Gier!
So lasset uns nun schreien
zur Befreiung unserer Seele!
Laut ertönen die Fanfaren,
nicht mehr eingesperrt im Affenkäfig Angst
und künden von der nahenden Freiheit!
Blau
Blau
blühte nicht nur der Enzian
auch deine
blauen Augen
machten mich so sentimental
dass ich
das Blaue
vom Himmel log
nur
um mit dir
blau
machen zu können
so blau
waren wir lange nicht mehr
So wenig Mut
SO WENIG MUT
so wenig Mut
tut keinem gut.
Frau in blau
Große kleine Frau in blau
stiehlt dem Selbstmitleid die Schau.
Nägelkauend
traurig schauend
keinem trauend
nichts verdauend
dreh'n sich die Gedanken leise
immer rum und rum im Kreise.
Große kleine Frau in blau
nimmt es mit sich sehr genau.
Pickel drückend
Schminke zückend
Kragen rückend
Flusen pflückend
kommt sie täglich zum Entschluss,
dass sich etwas ändern muss.
Große kleine Frau in blau
hält ihr Leben nicht für schlau.
Ständig suchend
leise fluchend
Angst verbuchend
neu versuchend
zieht sie wohl noch manche Kreise
auf ihrer lebenslangen Reise.
